Wer rastet, der rostet
Über Jahrzehnte wurde Herzkranken empfohlen, sich zu schonen und keinen Belastungen auszusetzen, da sonst das Herz noch mehr geschädigt würde. Die Teilnehmer der seit den neunziger Jahren zahlreich gegründeten Herzsportgruppen bewiesen aber eher das Gegenteil:
Sie fühlten sich wohl, gewannen Selbstvertrauen zurück und belasteten sich sportlich eher mehr als in ihrem bisherigen Leben. Manche trauten sich sogar gegen ärztlichen Rat an Laufveranstaltungen teilzunehmen, bis hin zum Marathon.
Aus Sorge vor Herzrhythmusstörungen sollten Patienten mit höhergradiger Herzschwäche (Herzinsuffizienz) nicht an Koronarsport teilnehmen.
In den letzten Jahren konnten nun andere wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden.
Chronische Herzschwäche wirkt sich stets auf den gesamten Organismus aus, Muskelschwund, Stoffwechselveränderungen in der Muskulatur und eine ständige Engstellung kleinerer Arterien werden beobachtet. Diese Veränderungen vermindern deutlich die körperliche Leistungsfähigkeit.
Es wurden zwei Patientengruppen gebildet, wobei eine über 6 Monate intensiv auf dem Fahrradergometer trainierte. In dieser Gruppe verbesserten sich alle untersuchten Größen deutlich, ohne dass es zu mehr Komplikationen kam. Die Herzschwäche ging zurück, die Pumpfunktion der linken Herzkammerverbesserte sich um fast 40% bereits nach 3 Monaten.
Es kam zu einem deutlichen Aufbau verloren gegangener Muskulatur, die Gefäßfunktion normalisierte sich, es entwickelten sich neue Haargefäße zur Verbesserung der Durchblutung von Muskeln. Dies wurde bewirkt durch die vermehrte Abgabe von Stammzellen aus dem Knochenmark.
Es wurde somit deutlich bewiesen, dass selbst bei höhergradiger Herzschwäche Ausdauertraining in vielfacher Hinsicht angeraten ist und keinesfalls mit erhöhtem Risiko verbunden ist.
Zusammenfassung einer gleichnamigen Broschüre (Prof. Dr. med. Hans Carlo Kallfelz, 2007)
Deutsche Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main