Mit Schmerzmittel zum Marathon

 

 

Am 7. Oktober wird der Startschuss zum Köln-Marathon gegeben. Mit rund 28.000 Teilnehmern werden so viele Läufer wie nie zuvor teilnehmen. Viele Läufer gehen dabei an den Start, ohne die Risiken der körperlichen Beanspruchung zu beachten oder überhaupt zu kennen. Vor diesem Hintergrund wurde den Themen Breitensport und Marathon auf dem Sportärztekongress Ende letzter Woche in Köln besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Der Respekt vor dem Marathon, dieser großen Herausforderung, sei den meistern Teilnehmern verloren gegangen, beklagten Professor Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln, Präsident des Kongresses, und sein Kollege Professor Holger Schmitt, Orthopäde und Leitender Oberarzt an der Orthopädischen Uniklinik Heidelberg.

 

Man läuft „mal eben Marathon“ und das möglichst auch noch auf Zeit. Gesundheitliche Risiken werden nicht in Betracht gezogen, erklärt Schmitt, spezialisiert auf Rückenleiden und Degenerationen von Knorpeln und Gelenken. Wer mit einem Body Mass Index (BMI) von 22 bis 23 einen Marathon läuft und keine Fehlstellungen bei Knochen und Gelenken hat, dürfte diese Strapazen unbeschadet überstehen. Wer jedoch einen höheren BMI hat, vielleicht noch X- oder O-Beine, hat schon ein erhöhtes Risiko, an Arthrose zu erkranken.

 

Dauerhafte Schäden

 

Natürlich nicht aufgrund einer einmaligen Teilnahme am Marathon, sondern vor allem wegen des vorhergehenden Trainings. 50 bis 60 gelaufene Trainingskilometer pro Woche reichen bei bestimmten körperlichen Voraussetzungen aus, um Gelenke dauerhaft zu schädigen.

 

Hinzu kommt, dass der Körper eines Freizeit-Marathon-Läufers mit der plötzlichen enormen Belastung des Langstreckenlaufs nicht gelernt hat umzugehen. Vernünftig verarbeiten können das nur Menschen, die sich bereits als Kind und Jugendliche an sportliche Herausforderungen gewöhnt haben.

 

Der klassische Marathon-Läufer allerdings hat nur wenig Vorerfahrung. Er ist körperlich fit, beruflich gut aufgestellt, im Schnitt Anfang 40 und steuert auf seine Midlife-Crisis zu, wie Prof. Predel erklärt. Außerdem gehöre der typische Marathon-Läufer zu der Kategorie Mensch, die 20 Jahre lang in Sachen Sport nicht mehr allzu viel getan habe. Bis ihn das Marathon-Fieber packe. Leine Langzeitstudie der Sporthochschule Köln, die seit nunmehr 11 Jahren durchgeführt wird, zeigt die erschreckenden Auswirkungen: Über 40% der untersuchten Teilnehmer, vor allem Freizeitläufer, nehmen vor dem Start Schmerzmittel wie Voltaren ein, um die Strapazen zu überstehen. Das ist auch eine Form von Doping, wie die Mediziner auf dem Kongress konstatieren.